Church of Our Lady of the Assumption & St Gregory

Warwick Street

Dedicated to the Life of the Ordinariate of Our Lady of Walsingham.

Die „Bayerische Kapelle“ in London.

Die Bedeutung der Pfarrkirche “Our Lady of the Assumption and St Gregory” in der Warwick Street – die sogenannte „Bayerische Kapelle“ – für die Geschichte der röm.-kath. Kirche in London während der letzten drei Jahrhunderte kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Seit ihrer Gründung als Kapelle der portugiesischen Botschaft im Jahr 1724 und dann als Kapelle der bayerischen Botschaft ab 1747 hat sie 300 Jahre lang ohne wesentliche Unterbrechungen die sakramentalen und sozialen Bedürfnisse der römisch-katholischen Londoner erfüllt.

Tatsächlich ist sie der älteste Ort ungebrochener katholischer Religionsausübung an der selben Stelle in London und einer der ältesten im Vereinigten Königreich seit der protestantischen Reformation. Seit ihren Anfängen stand die Kapelle in der Warwick Street – die sich im Herzen Londons in der Nähe des Piccadilly Circus befindet – den Gläubigen als Botschaftskapelle für Messen, Vespern, die Karwoche und Beichten offen. Wir wissen, dass hier nie weniger als fünf und manchmal mehr als zehn Priester tätig waren, weit mehr als für die Bedürfnisse der portugiesischen oder bayerischen Botschafter und ihrer Mitarbeiter erforderlich waren. Bis zu acht Beichtstühle waren für die Bedienung der Beichtenden vorgesehen.

Der Grund dafür, dass die katholischen Londoner hier selbst in den streng antikatholischen Zeiten der „penal laws“ ungestört die Messe besuchen konnten, war die Erlaubnis zum Zugang zu den Kapellen der Vertreter der katholischen Mächte im Rahmen des Friedens von Utrecht (1713-15). Natürlich gab es auch andere Botschaftskapellen. Die des kaiserlichen Botschafters befand sich am Hanover Square, die des französischen Botschafters in Soho, die des sardischen Botschafters in Lincoln’s Inn Fields, die des spanischen Botschafters in der Ormond Street und so weiter. Doch die einzige dieser Kapellen, die in ihrer ursprünglichen Form und an ihrem ursprünglichen Standort erhalten ist, ist die Bayerische Kapelle.

Ihr Überleben war das reinste Glück. Als die portugiesische Botschaft 1747 vom Golden Square nach Mayfair umzog, übernahm der bayerische Botschafter Joseph Franz Xaver Graf von Haslang beide Häuser (Golden Square Nr. 23 und 24), und so stand die dahinter liegende Kapelle in der Warwick Street weiterhin für die öffentliche Religionsausübung zur Verfügung. Die Kirche wird selbst heute noch oft als „Bavarian Chapel“ bezeichnet.

Der Graf von Haslang lebte in den beiden Häusern, die die bayerische Botschaft bildeten, bis zu seinem Tod in London im Jahr 1783. Es waren unruhige Zeiten für die Katholiken in Großbritannien. Im Jahr 1778 beschloss die Regierung, unter anderem wegen der Notwendigkeit, irische und schottische Katholiken für die Armee zu rekrutieren, eine „Catholic Relief Bill“ vorzuschlagen, die das Leben der Katholiken ein wenig erleichtern sollte. Das Gesetz wurde relativ schnell vom Parlament verabschiedet und bedeutete, dass Katholiken uneingeschränkt Land erwerben und erben konnten; Bischöfe, Priester und Schulmeister wurden nicht mehr mit lebenslanger Haft bestraft und die Belohnung von 100 Pfund für Denunzianten wurde abgeschafft.

Man ging davon aus, dass diese kleinen Zugeständnisse an die Katholiken nicht auf großen Widerstand der Öffentlichkeit stoßen würden. Die Regierung irrte sich. Anti-katholische Gefühle blieben stark – es gab zum Beispiel wilde Gerüchte, dass 20.000 Jesuiten in versteckten Tunneln entlang der Themse lebten und auf den Befehl des Papstes warteten, sie in die Luft zu sprengen und dadurch London zu überfluten!

Als Reaktion auf den Relief Act wurde ein nationales Netzwerk von ‚Protestant Associations‘ gegründet, um England zu „verteidigen“. Lord George Gordon, ein fanatischer Protestant und Mitglied des Unterhauses, heizte die öffentliche Meinung mit zügellosen Reden im Parlament an. Seine Rhetorik führte dazu, dass er eingeladen wurde, die London Protestant Association zu leiten. Sein Ziel war es, die Regierung zur Rücknahme des Catholic Relief Act zu bewegen. In ihm wuchs stetig der Glaube, dass er eine göttliche Mission zur Rettung des Landes habe.

Seine Taktik bestand darin, eine Petition zu verfassen, in der die Rücknahme des Gesetzes gefordert wurde und die am 2. Juni dem Parlament vorgelegt werden sollte. Etwa 50.000 seiner Anhänger versammelten sich gegenüber des Parlaments und marschierten dann durch die City of London nach Westminster. Die Demonstration wurde auf dem Weg immer stärker und es schlossen sich Unruhestifter an, die mit zunehmender Trunkenheit immer gesetzloser wurden. Das Wetter war sehr heiß. Im Parlament wurde beschlossen, das Gesetz nicht aufzuheben, und Truppen wurden gerufen, um den Mob aufzulösen. Doch um Mitternacht waren die Demonstranten noch betrunkener und noch wütender geworden. Sie begannen, die Straßen Londons zu stürmen und katholische Kapellen sowie die Wohnhäuser bekannter Katholiken niederzubrennen.

Der Mob zog zur Straße Piccadilly in Westminster und griff die bayerische Kapelle an. Fenster wurden eingeschlagen, die Türen aufgebrochen und der Inhalt der Kapelle auf die Straße geworfen: Bänke, Kerzenhalter, Messgewänder, Gebetsbücher und heilige Gefäße wurden zerstört.

Während des Angriffs trug ein alter deutscher Schmied namens Bund, ein Nachbar entsetzt über diese Schändung, einige der wertvolleren Gegenstände in die nahe gelegene Swallow Street. Aber er fand mehr, als er erwartet hatte. In den Kellern unter der Kapelle stieß er auf Mengen vongeschmuggeltem Tee und anderen Waren, die der Botschafter ins Land geschmuggelt hatte. Der Graf erklärte später, dass er dies getan habe, weil sein Einkommen als Botschafter so mager war!

Die zuverlässigsten Berichte über den Schaden sind die Briefe, die Graf von Haslang selbst, damals ein alter Mann von 80 Jahren, an seine Heimatregierung schrieb. Diese Briefe, die in französischer Sprache verfasst wurden, befinden sich noch immer im Staatsarchiv München.

In einer nur vier Tage nach dem Angriff verfassten Nachricht schrieb er, dass er, da er keine militärische Unterstützung erhalten hatte, nur Zeit hatte, einige Altarplatten und Gewänder zu retten, bevor die Randalierer einbrachen. Das Altarbild wurde zusammen mit der Orgel, den Balustraden und den Kirchenbänken zerbrochen und zusammen mit den Messbüchern auf der Straße verbrannt. Daraufhin traf das Militär ein, und die Randalierer zogen zu anderen Zielen weiter.

Die Kapelle selbst wurde zwar beschädigt, aber nicht niedergebrannt. In einem späteren Bericht erwähnt der Graf, dass die Soldaten, die die Kapelle noch bewachten, in ihrem Inneren auf Stroh schliefen. Er war gezwungen, persönlich für 100 Wachen zu bezahlen, die dort zu seinem Schutz blieben. Später forderte er von der britischen Regierung eine Entschädigung in Höhe von 1.300 Pfund, die ihm in voller Höhe gezahlt wurde.

Schließlich wurde die Armee am 7. Juni gerufen und erhielt den Befehl, auf Gruppen von vier oder mehr Personen zu schießen, die sich weigerten, auseinanderzugehen. Etwa 285 Menschen wurden erschossen und weitere 200 verwundet. Etwa 450 der Randalierer wurden verhaftet. Der Catholic Relief Act blieb in Kraft, und 1791 wurde ein weiterer Relief Act verabschiedet. Diese weitreichende Maßnahme gewährte den Katholiken freie Religionsausübung und erlaubte ihnen, eigene Schulen einzurichten, kleinere öffentliche Ämter zu übernehmen und als Anwälte zu praktizieren.

Wegen seiner Rolle bei der Anstiftung des Aufruhrs wurde Lord George Gordon wegen Hochverrats angeklagt, aber aufgrund persönlicher Beziehungen freigesprochen. Kurioserweise konvertierte er 1787 im Alter von 36 Jahren zum Judentum.

Im Jahr 1788 wurde ein Komitee aus 22 prominenten Katholiken mit dem Ziel, Geld für den Wiederaufbau der bayerischen Kapelle zu sammeln, gegründet. Zur gleichen Zeit beschloss Karl Theodor (1724-1799), Kurfürst von Bayern, die Kapelle dem Apostolischen Vikar von London, Bischof Talbot, zu schenken.

Am 2. Mai 1788 schrieb er von München aus auf Französisch an Bischof Talbot

„Monsieur,

Sie dankten mir soeben für etwas, das ich als nicht mehr denn den praktischen Ausdruck meines Eifers für die Ehre Jesu Christi und Seiner heiligen Religion betrachtete. Ich bin überaus zufrieden über die Versicherung, die Sie mir gegeben haben, Monsieur, dass meine Kapelle mehr als jede andere geholfen hat, die Religion zu erhalten. Ich habe keinen Zweifel, dass sie unter Ihrer geistlichen Führung immer das sein wird, was sie bisher war – ein Mittel der Heiligung für Christen, und ich würde mich immer sehr freuen, dazu beizutragen.“

Er setzte die Schirmherrschaft über die Kapelle fort und zahlte eine großzügige jährliche Ausstattungszahlung. Zunächst scheint er die Kapelle fast allein vollständig unterstützt zu haben, indem er ihr die enorme Summe von 1.500 Pfund pro Jahr zugestand. Dieser Betrag wurde jedoch im Jahr 1800 auf 100 Pfund pro Jahr reduziert. Dies dauerte bis 1871 an, als Bayern Teil des Deutschen Kaiserreiches wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden nach der Messe Gebete für den König von Bayern gesprochen.

Obwohl der bayerische Botschafter 1788 das Haus am Golden Square verließ, blieben die Verbindungen zu Bayern bestehen. So fand dort zum Beispiel im Jahr 1846 die Taufe von Catherine Mary Howard, der Tochter des britischen Gesandten in Bayern, Sir Henry Francis Howard, und seiner Frau Marie Ernestine, der Tochter von Leopold Wilhelm Graf von der Schulenburg, statt.

Als Bayern in das Deutsche Kaiserreich eingegliedert wurde, wurde der bayerische Botschafter aus London abgezogen und die Botschaftskapelle wurde zu einer reinen Pfarrkirche der katholischen Diözese Westminster.

Die neue Kapelle, die wir heute sehen, wurde von Joseph Bonomi dem Älteren entworfen und am 12. März 1790, dem Fest des Heiligen Gregor des Großen, dem sie gewidmet wurde, eingeweiht. Sie war etwa doppelt so groß wie die frühere Kapelle. Die Fassade in der Warwick Street war bewusst schlicht gehalten, um möglichst unauffällig zu sein. Das Äußere des Gebäudes war architektonisch nicht bemerkenswert und in der Tat kaum von einer protestantischen Kapelle zu unterscheiden. Etwas später wurde an der Westseite eine Orgel gebaut, über der eine Tafel mit dem bayerischen Wappen aufgestellt wurde.

Die Wände der neuen Kapelle waren mit fast einem Meter Dicke sehr massiv. Zur Warwick Street hin gab es im Erdgeschoss keinerlei Fenster und die massiven Holztüren waren von innen mit Blech verkleidet. Diese Maßnahmen sollten eine zweite Zerstörung der Kirche vermeiden.

Bald nach der Eröffnung der Kapelle trieb die Französische Revolution eine große Anzahl französischer Geistlicher und Aristokraten nach London. Zumindest anfangs waren viele von ihnen Gönner der Bayerischen Kapelle und brachten sie in Mode. Möglicherweise wurde 1793 in der Kapelle ein Requiem für König Ludwig XVI. und Königin Marie Antoinette gesungen. Die Register enthalten Aufzeichnungen über die Taufen und Eheschließungen zahlreicher historischer französischer Familien. Ein Beispiel ist die Heirat des Comte de Serrault, Marschall von Frankreich, mit Charlotte, Marquise de Valady, im Jahr 1795.

Die Apostolischen Vikare von London machten die Bayerische Kapelle zu ihrem Zentrum und wohnten selbst im nahe gelegenen Golden Square 35. Dazu gehörte auch Bischof (später Kardinal-Erzbischof) Nicholas Wiseman von 1849 bis 1855, der erste Erzbischof von Westminster.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das katholische Leben im Allgemeinen stetig weiter, und die Warwick Street war in vielerlei Hinsicht sein Zentrum. Der heilige John Henry Newman wurde als Junge von seinem Vater in die Kapelle mitgenommen: „Alles, was ich davonmitnahm, war die Erinnerung an eine Kanzel und einen Prediger und einen Jungen, der ein Weihrauchfass schwang“ (Apologia pro Vita Sua). Später schrieb er jedoch: „Wären der heilige Athanasius oder der heilige Ambrosius jetzt in London, sie würden nicht in der St. Paul’s Cathedral, sondern in der Warwick Street zum Gottesdienst gehen“.

Der Stellung der Kapelle als Mittelpunkt des katholischen Lebens entsrpechend wurde ein Chor gegründet, der bald weithin bekannt und geschätzt wurde. Die Musik war natürlich typisch für die damalige Zeit, mit viel Haydn, Mozart, Beethoven sowie zeitgenössischen italienischen Komponisten, die von einem Orchester zur Begleitung des Chores gespielt wurden. Viele italienische Operngrößen kamen sonntags, um zu singen, wenn sie beruflich in London auftraten, und zwar so viele, dass man sie die „Shilling Opera“ nannte (der „Shilling“ war der Betrag, den der bei der Kollekte erwartet wurde, vermutlich viel billiger als eine Eintrittskarte für eine Oper in Covent Garden).

Die Kirche besitzt eine große Zahl handegschriebener Musikbücher aus dem frühen 19. Jahrhundert. Ihre Inhalte reichen von einzelnen Hymnenkompositionen für die Gemeinde bis zu ganzen Messvertonungen. Ihre Entdeckung ruft viel Interesse unter Musikwissenschaftlern hervor, insbesondere wegen des Lichts, das diese Sammlung möglicherweise auf das musikalische Leben der katholischen Kirchen in London während des 19. Jahrhunderts werfen könnte.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts blieb das Leben der Kirche lebendig, obwohl der Zweite Weltkrieg den meisten normalen Aktivitäten der Pfarrei ein Ende bereitete. Wie durch ein Wunder blieb das Gebäude von schweren Schäden verschont. Glücklicherweise waren die einzigen direkten Treffer Brandbomben, die bald wieder gelöscht wurden. Die Kirche wurde von den amerikanischen, kanadischen und freien französischen Streitkräften stark genutzt. Natürlich wurde das Gebäude bei vielen Gelegenheiten durch in der Nähe einschlagende Bomben heftig erschüttert, und häufig wurden Fenster herausgesprengt.

Im Jahr 1959 wurde auf Bitten der Royal Stuart Society ein Requiem für Kronprinz Ruprecht von Bayern (1869-1955) abgehalten, der als jakobitischer Thronanwärter des Vereinigten Königreichs verstorben war. Eine Gedenktafel wurde in der Kirche angebracht.

Im Jahr 2013 wurde Warwick Street von S.E. Vincent Kardinal Nichols, Erzbischof von Westminster, als seine Hauptkirche dem Gemeindeleben des Personalordinariats Unserer Lieben Frau von Walsingham in Großbritannien gewidmet (obwohl sie eine katholische Pfarrkirche der Diözese Westminster bleibt). Das Ordinariat wurde 2011 von Papst Benedikt XVI. gegründet, um Anglikanern die Möglichkeit zu geben, in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche einzutreten und gleichzeitig Elemente ihres Erbes zu bewahren. Die Messe wird in der Kirche sowohl nach dem “Divine Worship” – dem Messbuch des Ordinariats – als auch nach dem Römischen Messbuch gefeiert. Der historisch hohe Standard der musikalischen Gestaltung wird bei dem Hochamt jeden Sonntag um 10.30 Uhr beibehalten.